The Kella Movement and the Contradictions of the Beja Dock Workers’ Union in Port Sudan

Mohamed Salah Abdelrahman & Seraf Sidig

Industrielle Beziehungen2025https://doi.org/10.5771/0943-2779-2025-1-91article
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Diskussionen über die Rolle des Sudan im geopolitischen Raum des Roten Meers fokussieren häufig auf dessen strategische Lage und damit zusammenhängende Aushandlungen um Machtverhältnisse in der Region. Arbeiter*innen allgemein und Hafenarbeiter*innen im Besonderen sind zentrale Akteure und beeinflussen nicht nur die Stadt Port Sudan, sondern auch die politischen Verhältnisse im Osten des Sudan. Die indigene Bevölkerungsgruppe der Beja bleibt in dieser geopolitischen Diskussion meist unbeachtet. Der Beitrag untersucht die Widersprüche innerhalb der Gewerkschaft der Beja-Hafenarbeiter*innen in Port Sudan und analysiert, wie Umweltveränderungen, koloniale Arbeitspolitiken und wirtschaftliche Veränderungen nach der formalen Unabhängigkeit die Entstehung der Kella-Bewegung geprägt haben. Das System der Kella entwickelte sich als Antwort auf durch Trockenheit ausgelöste Migration, im Kontext der von Großbritannien im Kolonialismus oktroyierten Arbeitsteilung und der Marginalisierung der Beja Bevölkerung. Die Kella entwickelten sich schrittweise in eine ethnisch organisierte Institution, die als Sicherheitsnetz für vertriebene Viehzüchter*innen fungierte, denen sie den Zugang zu Lohnarbeit sicherte. Die Kella wurden ein fester Bestandteil der politischen Ökonomie. Mit der Zeit pendelte sich die Institution der Kella zwischen Widerstand gegen staatliche und kapitalistische Vereinnahmung auf der einen Seite und Komplizenschaft mit ethnischen Patronagestrukturen auf der anderen Seite ein. Der Artikel zeichnet die Entwicklung der Kella von kolonialer indirekter Herrschaft bis zu ihrer Rolle in den Arbeiter*innenbewegungen des Sudan, neoliberalen Reformen und regionalen bewaffneten Kämpfen nach. Er zeigt, wie grundlegende politische und soziale Veränderungen die Bewegung wiederholt umgestalteten und die Arbeiter*innen dazu zwangen, sich für ethnische Solidarität oder klassenbasierte Organisierung zu entscheiden. Die Revolution im Sudan 2018 und der Beginn des Krieges im April 2023 haben diese Spannungen zusätzlich verschärft. Beja-Autoritäten schließen sich mit militärischen Fraktionen zusammen, während Arbeiter*innen dem Plan der Privatisierung des Hafens zum Trotz weiterhin für ihre Lebensgrundlage kämpfen. Vor dem Hintergrund dieser historischen und strukturellen Bedingungen reflektiert der Artikel die Resilienz von Systemen gemeinschaftlicher Arbeit und die ambivalente Rolle der Beja-Autoritäten, die sich einerseits in der Beschränkung und andererseits in der Erhaltung der Enklaven von ethnisch basiertem Widerstand äußert.

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